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Traktorpulling in Wadersloh: 1.500 Besucher feiern Dieselpower auf dem Feld

Wadersloh. Bei bestem Wetter ist am Sonntag zum dritten Mal das Traktor-Pulling in Wadersloh über die Bühne gegangen – und hat wieder für Gänsehautmomente gesorgt. Rund 1.500 Zuschauer kamen aufs Gelände, um zu erleben, wie 83 Starter ihre Trecker vor den Bremsschlitten spannten.

Veranstaltet wurde das Event bereits zum dritten Mal (nach 2018 und 2023) von der sechsköpfigen Gruppe „Nicht zu bremsen“ (NZB). 2018 ist das Traktorpulling der Gruppe in Wadersloh erstmals entstanden und schlug von Beginn an mit großem Erfolg ein. Anders als bei den Profi-Wettbewerben der Deutschen Trecker Treck Organisation (DTTO) traten in Wadersloh ganz normale Traktorliebhaber aus der Region an: Landwirte, Trecker- und Oldtimerfans, die ihre restaurierten oder im Originalzustand belassenen Schmuckstücke aus Scheune und Garage mitgebracht hatten.

Volles Programm auf der Bahn

Schon ab 11 Uhr war das weitläufige Gelände gut besucht. Auf der professionell präparierten Bahn ging es in mehreren Leistungsklassen zur Sache. Ein eingespieltes Team sorgte mit Vorführschleppern regionaler Landtechnikhändler zwischen den Läufen dafür, dass der Boden nach jedem Pull wieder geglättet und verdichtet wurde. Als „Full Pull“ galten 60 Meter – wer diese Marke erreichte, wurde von den Moderatoren mit einem markanten Hupton gefeiert.

Den Anfang machten die kleineren Traktoren: Oldtimer von Marken wie Fendt, Lanz, Hanomag, Deutz, Eicher und International zogen den Schlitten teils erstaunlich weit, bevor sich die Räder eingruben.

In den mittleren PS-Klassen traten bekannte Traktormarken der 70er- bis 90er-Jahre gegeneinander an, nicht selten mit einem finalen Stechen um die Bestzeit. Zum Abschluss zeigten die großen Kraftpakete ihr Können: Neben 6-Zylinder-Modellen von Deutz, Fendt und John Deere sorgten zwei russische Kirovets K700 mit 8-Zylindermotor für den nötigen Sound.

Rahmenprogramm und guter Zweck

Auch abseits der Pulling-Bahn gab es einiges zu sehen: Örtliche Landtechnikhändler stellten aktuelle Traktoren, Mähdrescher und Anbaugeräte aus, viele Besucher waren zudem mit eigenen Oldtimern angereist. Ein riesiger, olivgrüner Fallschirm spannte sich über den Zuschauerbereich, unter dem sich viele Kinder auf aufgestapelten Strohballen tummelten. Für Verpflegung und Kinderbelustigung war ebenfalls gesorgt. Der Erlös der Veranstaltung kommt vollständig einem caritativen Zweck zugute.

Die Bilanz des Tages

Nach Angaben des Moderationsteams Klaus Schnitker und Thomas Gödecke traten insgesamt 83 Starter an, von denen 23 den Full Pull über die vollen 60 Meter schafften. In vier Klassen musste zudem ein Stechen über die Platzierung entscheiden.

Siegerliste

Klasse 1: (0-20 PS) Manni Wimmelmeier
Klasse 2: (21-40 PS) Florian Beckhoff
Klasse 3: (41-60 PS) Felix Brülle
Klasse 4: (61-90 PS) Nils Brune
Klasse 5: (91-130 PS) Ralf Brinkhaus
Klasse 6: (131-180 PS) Theo Bäumker
Klasse 7: (181-250 PS) Leo Krabus
Klasse 8: (offen) Sascha Grefer

Moderationsteam: Klaus Schnitker/Thomas Gödecke

Traktorpulling für Dummies: Was beim Bremswagen-Ziehen wirklich passiert

Wer beim Traktor-Pulling zum ersten Mal am Streckenrand steht, sieht vor allem eins: einen Trecker, der brüllend Rauch und Dreck aufwirbelt, während er einen schweren Wagen hinter sich herzieht – bis er irgendwann einfach stehen bleibt. Was dabei technisch passiert, erklärt dieser kleine Exkurs.

Die Grundidee: ein Wagen, der immer schwerer wird

Beim Traktorpulling zieht ein Trecker einen speziellen Anhänger, den sogenannten Bremswagen, über eine gerade Bahn. Ziel ist es, möglichst weit zu kommen – im besten Fall bis ans Ende der Strecke. Klingt simpel, hat aber einen Trick: Der Bremswagen wird während der Fahrt von selbst immer schwerer zu ziehen.

Verantwortlich dafür ist ein bewegliches Gewicht auf dem Bremswagen, im Fachjargon „die Back“ genannt. Zu Beginn des Zuges steht dieses Gewicht direkt über den Hinterachsen des Wagens – dort belastet es die Bremskufe kaum, der Trecker hat es also noch vergleichsweise leicht. Sobald der Trecker anzieht, wird die Back über eine Mechanik, die von den Rädern des Bremswagens selbst angetrieben wird, nach vorne in Richtung einer Gleitkufe geschoben. Je weiter der Trecker die Strecke zurücklegt, desto weiter wandert das Gewicht nach vorne – und desto mehr drückt die Kufe in den Boden. Der Widerstand steigt also nicht sprunghaft, sondern kontinuierlich mit jedem gefahrenen Meter. Entscheidend ist dabei übrigens die gefahrene Strecke, nicht das Tempo: Ob ein Trecker schnell oder langsam fährt, spielt für den Anstieg des Gewichts keine Rolle – nur wie weit er kommt.

Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem die Reifen des Treckers die Kraft nicht mehr auf den Boden bringen können: Sie beginnen durchzudrehen, und der Pull ist beendet. Genau an dieser Stelle wird gemessen, wie weit es der Trecker geschafft hat.

Der „Full Pull“

Schafft es ein Trecker bis ans Ende der Bahn – in Wadersloh waren das 60 Meter –, spricht man von einem „Full Pull“. Das ist die Bestleistung, die in einem Lauf überhaupt möglich ist, und wird deshalb von den Moderatoren meist mit großem Jubel und einem Hupsignal gefeiert.

Faire Klassen statt Wildwuchs

Damit nicht der stärkste Trecker automatisch immer gewinnt, wird in Klassen gefahren, die nach Motorleistung beziehungsweise Gewicht der Fahrzeuge eingeteilt sind. So treten kleine Oldtimer gegen ähnlich schwache Maschinen an, während sich die großen Sechs- und Achtzylinder-Boliden ihre eigene Klasse teilen. Bei Hobby-Veranstaltungen wie in Wadersloh starten dabei bewusst normale, oft unveränderte Serientraktoren – anders als bei den Profiwettbewerben der Deutschen Trecker Treck Organisation (DTTO), wo eigens für den Sport aufgebaute und stark modifizierte Zugmaschinen an den Start gehen.

Was passiert bei Gleichstand?

Schaffen mehrere Teilnehmer einer Klasse einen Full Pull, muss ein Stechen die Entscheidung bringen: Die Fahrer treten dann noch einmal gegeneinander an, meist unter erschwerten Bedingungen, etwa mit einer weiter vorne startenden Back oder einem zusätzlichen Zusatzgewicht auf dem Bremswagen – wer dann am weitesten kommt, gewinnt die Klasse.

Warum das Ganze so viel Spaß macht

Am Ende ist Traktorpulling eine Mischung aus roher Technik, Fahrgefühl und Nervenkitzel: Zu viel Gas, und die Räder drehen zu früh durch. Zu vorsichtig gefahren, und die Kraft reicht nicht bis ans Ende der Bahn. Dazu kommen Sound und Geruch von Diesel unter Volllast – ein Erlebnis, das Traktorliebhaber und Laien gleichermaßen in seinen Bann zieht.



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