Riga beeindruckte und begeisterte


 

Dreißig Heimatfreunde des Heimatvereins Wadersloh reisten vom 20.10. bis zum 25.10. 2013 in die lettische Hauptstadt und ehemalige Hansestadt Riga. Der entscheidende Impuls für diese Reise war die Aktion „Stolpersteine“ in Wadersloh im November 2012 mit der Erkenntnis, dass vier jüdische Mitbürger aus Wadersloh 1941 nach Riga deportiert und dort ermordet wurden,. Mit dem Thema „Lettische Identität – deutsche Spuren“ reichte der geschichtliche Bogen des Aufenthaltes von der Gründung Rigas im Jahre 1201 durch den Bischof  Albert von Buxhoeveden aus Bremen bis 2013, kurz vor dem Eintritt des Landes in die Euro-Zone. Der Dom zu Riga mit der Altstadt, das Jugendstilviertel und die Holzhäuser machten Riga 1998 zum UNESCO- Weltkulturerbe und  2014 zur Kulturhauptstadt Europas. Bei dem Besuch mit den vielen eindrucksvollen Begegnungen wurde deutlich, dass neben livländischen oder kurländischen, russischen oder schwedischen Einflüssen viele deutsche Spuren mit der Identität Lettlands verknüpft sind und heute den Stolz des Landes prägen.Die sehr interessanten Führungen von Inguna Motte und Sandra Saida-Saina machten diese zahlreichen Wechselbeziehungen immer wieder deutlich. Zunächst wurden in Begleitung von Kristina Pilate, ehemalige lettische COMENIUS- Fremdsprachenassistentin in Beckum, Spuren des Holocaust besucht.

Nach einer Fahrt durch das ehemalige Ghetto Riga und den Besuch des Ghettomuseums, gedachten alle an der zentralen Gedenkstätte im Wald von Bikernieki der jüdischen Opfer. Diese Gedenkstätte wurde vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, dem Auswärtigen Amt und den Städten des  Deutschen Riga-Komitee 2001 errichtet und erinnert an die Erschießung von etwa 40 000 Juden aus ganz Europa zwischen 1941 und 1944, die hier in Massengräbern verscharrt wurden. Zwischen tausende von Granitsteinen, die  an menschliche Gestalten mahnen, befinden sich 43 Städtenamen, u.a. Berlin,  Leipzig,  Münster, Bielefeld, Paderborn, Gütersloh, Warendorf. Der Besuch des lettischen Ehrenfriedhofes „Bralu Kapu – der Brüderfriedhof“ für die Freiheitskämpfer  Lettlands mit der trauernden „Mutter Lettland“ und des Soldatenfriedhofes in Jelgawa (ehem. Mitau) mit Opfern des ersten und zweiten Weltkrieges ergänzte das Gedenken an die Opfer der Weltkriege und bestärkte alle in dem Wunsch, dieses Leiden nie wieder geschehen zu lassen.Die weiteren Punkte des Aufenthaltes beschäftigten sich mit der reichhaltigen Geschichte Lettlands. Bei einem sehr informativen Stadtrundgang lernte man die wechselvolle Geschichte Rigas von der Gründung um 1200, über die Hansezeit und den Okkupationen im 20. Jahrhundert bis zur 1991 erreichten Unabhängigkeit kennen. Der Freiheitsplatz, die Altstadt, die Markthallen, der Dom zu Riga, die „drei Brüder“, das ehemalige Wohnhaus von Heinz Ehrhardt, die Petrikirche, und letztlich der Roland und das wunderschöne Schwarzhäupterhaus von 1334   beeindruckten mit Namen wie Plettenberg, Ketteler u.a. alle Besucher sehr. Ein Besuch, der etwa 70 km entfernten Barockperle Rundale, einer imposanten barocken Dreiflügelanlage mit Ehrenhof und Barockgarten, durfte nicht fehlen. Die Bedeutung der Kunst in Lettland wurde beim Besuch der Staatsoper besonders deutlich. Das Lettische National Ballett zeigte mit „Le Corsaire“ nach Marius Petipa eines der beliebtesten klassischen Ballette. Die Geschichte ist eine lebendige Mischung aus Piratenabenteuer, Irrungen und Wirren der Liebe, Harem, und die bunten Märkte des Orients und weltweit eines der beliebtesten klassischen Ballette. Das Chor de Ballett mit dem Orchester der Lettischen Staatsoper boten höchste Tanzkunst, vorzüglichste Musik, faszinierendste Kostüme, ein träumerisches Bühnenbild und verzauberten so das ausverkaufte Haus mit etwa 150 Minuten, an die die Besucher noch lange denken werden! Die Gastfreundschaft der Letten erfuhr die Reisegruppe beim Besuch von Jurmala, dem bekannten Badeort vor den Toren Rigas. Kristina Pilate, zeigte allen ihren Heimatort mit dem imponierenden Sandstrand und den schönen, aus Holz gebauten Ferienhäusern. Nach dem Besuch der schönen Kirche, lud sie in das Gemeindehaus ein, wo die Wadersloher bei einem Festmahl mit zahlreichen lettischen Spezialitäten die großartige Gastfreundschaft der Letten erlebten. Diese so überaus persönliche und herzliche Begegnung wird niemand vergessen! Gemeinsame Lieder zum Dank brachten dies besonders zum Ausdruck. Das reichhaltige Programm wurde durch zwei besondere Begegnungen ergänzt:Zunächst trafen die Wadersloher den fühlenden Wadersloher Norbert Beckmann-Dierkes, der durch verwandtschaftliche Beziehungen Wadersloh sehr gut kennt. Norbert Beckmann- Dierkes arbeitet für die Konrad-Adenauer-Stiftung e.V., stellte mit seinem Lebensweg seine persönliche Beziehung zu Wadersloh heraus und freute sich sehr über dieses Treffen. (Siehe Portrait: Norbert Beckmann- Dierkes)  Anschließend informierte Norbert Beckmann- Dierkes äußerst kenntnisreich, begeistert und begeisternd über seine vielfältigen Erfahrungen und Tätigkeiten im historischen und aktuellen Kontext Lettland - Deutschland - Europa und lud dann zu einem vorzüglichen „lettischen Imbiss“ ein. Mit kleinen westfälischen Köstlichkeiten, dem Jahresbericht 2012 und dem Bildband von Wadersloh bedankten sich die Wadersloher sehr herzlich für diese einzigartige Begegnung.Das zweite Treffen erfolgte in der Deutschen Botschaft mit dem Kultur-Attache Thomas Rouzanova und seiner lettischen Assistentin Sabine Veidule. Thomas Rouzanova, umfassender Kenner Osteuropas, informierte die Gäste über die Tätigkeit der Deutschen Botschaft in Riga mit historischen und aktuellen Gegebenheiten Lettlands im Kontext Deutschlands und Europas. Ihm war auch bekannt, dass Rita Süssmuth aus Wadersloh stammt. Die anschließende Fragestunde ergänzte diese Themen mit interessanten Informationen zur Arbeit der Deutschen Botschaft in Lettland. Schneller als erwartet war die Zeit für diese hoch interessante Begegnung vorbei. Mit herzlichem Dank und den besten Grüßen verabschiedeten sich die Wadersloher im Beisein von Kristina Pilate mit dem Jahresbericht 2012 und dem Bildband aus Wadersloh. Ein kleiner Bummel durch das herbstliche Riga beendete diese eindrucksvolle Woche in Lettland, dem kleinen, aber stolzen Land des Baltikums, das als demokratische Republik seit 1991 mit der Zugehörigkeit zur Europäischen Union partnerschaftlich mit Deutschland und den anderen Ländern verbunden ist, um gemeinsam eine gewaltfreie Zukunft zu sichern und zu gestalten.

 

Portrait: Norbert Beckmann-Dierkes
Norbert Beckmann-Dierkes, geb. 1964, stammt aus Neubeckum. Die Verbundenheit zu Wadersloh ergibt sich durch seine Mutter, geb.  aus der Bauerschaft Wadersloh-Geist.  Norbert Beckmann- Dierkes hat dort bei seinen Onkeln und Tanten als Kind oft seine Ferien verbracht. Nach dem Abitur am Kopernikusgymnasium in Neubeckum nahm Norbert Beckmann-Dierkes im Münster sein Studium in Politikwissenschaft, Mittelalterliche Geschichte und Erdkunde auf und schloss dies mit dem Magister-Diplom ab. Er arbeitete danach als Jugendbildungsreferent bei der Stiftung Christlich-Soziale Politik in Königswinter, als Landesgeschäftsführer der Jungen Union, als Leiter des Bildungszentrums Wendgräben der Konrad-Adenauer-Stiftung und schließlich als   Vertreter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Lettland, Litauen und Skandinavien mit Sitz und Wohnung in Riga. In Deutschland war Norbert Beckmann- Dierkes in der Kolpingjugend aktiv, ist seit 1983 CDU Mitglied, war Kreisvorsitzender Anhalt- Zerbst, Kreistagsmitglied Anhalt- Zerbst und nach der Kreisgebietsreform im Jeriower Land und Stadtrat. Zeitweise lebte er mit seiner Familie mit zwei Kindern in Norwegen.
Reisegruppe des Heimatvereins Wadersloh vor dem Schwarzhäupterhaus und dem Okkupationsmuseum in Riga

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