Rheda-Wiedenbrück/Gütersloh – Ein 17 Jahre alter Pole steht im Verdacht, innerhalb von nur zwölf Tagen sieben bewaffnete Raubüberfälle verübt zu haben. Am Freitagmorgen rückte ein Spezialeinsatzkommando zum Elternhaus des Jugendlichen in St. Vit an – der junge Mann war zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits geflüchtet.
Stundenlange Fahndung mit Hubschrauber und Spürhunden
Rund sieben Stunden lang durchkämmten Einsatzkräfte den Rheda-Wiedenbrücker Stadtteil St. Vit. Anwohnerinnen und Anwohner wurden gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Ab 6.30 Uhr kreiste ein Polizeihubschrauber über dem Gebiet, zusätzlich kamen Mantrailer-Hunde und eine Drohne zum Einsatz. Wegen des Ausmaßes richtete die Polizei einen eigenen Führungsstab mit der internen Bezeichnung „Amok“ ein.
Erst der Hinweis eines Nachbarn führte die Beamten schließlich zum Versteck: Der Gesuchte hatte sich in einem dornigen Gebüsch verborgen und wurde dort zerkratzt, aber unverletzt aufgegriffen.
Haftrichter ordnet Untersuchungshaft an
Um 17.22 Uhr wurde der Jugendliche, dessen Name mit Nikodem R. abgekürzt wird, in Handschellen dem Haftrichter am Amtsgericht Gütersloh vorgeführt. Dieser erließ Untersuchungshaft – der Verdacht: sieben bewaffnete Raubüberfälle innerhalb von zwölf Tagen.
Nach bisherigem Ermittlungsstand soll der Jugendliche sechs Tankstellen sowie ein Wettbüro überfallen haben, jeweils kurz vor Ladenschluss, komplett schwarz gekleidet, maskiert und mit Sonnenbrille. Die Ermittler werfen ihm vor, dabei äußerst aggressiv aufgetreten zu sein: Er soll vor den Angestellten eine Waffe durchgeladen und sie damit bedroht, in einzelnen Fällen sogar mit der Pistole geschlagen haben. An einem Abend soll er gleich zwei Tankstellen hintereinander überfallen haben. Die Beute aus allen sieben Taten summiert sich nach bisherigen Angaben auf rund 7.000 Euro; wofür das Geld gedacht war, ist bislang nicht bekannt.
Verteidigung schweigt zu den Vorwürfen
Vor dem Haftrichter äußerte sich der 17-Jährige nicht zu den Tatvorwürfen. Seine Verteidigung liegt in den Händen von Rechtsanwalt Ali Mojab (36). Der Anwalt erklärte, sein Mandant werde sich vorerst weder zu den Vorwürfen noch zu deren Hintergründen einlassen; zudem sei noch zu klären, ob ihm sämtliche Taten überhaupt nachgewiesen werden könnten.
Der Jugendliche ist der Polizei kein Unbekannter: Gegen ihn wurde bereits wegen Erpressung, Körperverletzung, gefährlicher Körperverletzung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Diebstahls, Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie Bedrohung ermittelt. Seit diesem Jahr läuft zudem ein Verfahren wegen des Verdachts auf ein Sexualdelikt gegen ihn.
Für sämtliche Vorwürfe gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.
Der ungewöhnlich groß angelegte Polizeieinsatz endet damit vorerst mit der Untersuchungshaft des Verdächtigen. Die Ermittlungen zu den einzelnen Taten dauern an.
Quelle: Polizei Gütersloh, Pressemitteilung. Weitere aktuelle Polizeimeldungen aus der Region finden Sie in unserer Übersicht.
