Kirchenaustritt: Lange Wartezeiten sorgen für Unmut bei Betroffenen
Trend Lokal Magazin Langenberg
Rheda-Wiedenbrück – Wer derzeit aus der Kirche austreten möchte, muss Geduld mitbringen. Wie das Amtsgericht Rheda-Wiedenbrück auf Anfrage unserer Redaktion mitteilte, war Anfang Januar der nächste freie Termin für einen Kirchenaustritt erst für den 17. März 2026 verfügbar. Grund hierfür sei eine sehr hohe Nachfrage bei gleichzeitig begrenzten Kapazitäten. Eine frühere Terminvergabe sei derzeit grundsätzlich nicht möglich. Als Alternative verweist das Gericht auf die Möglichkeit, den Kirchenaustritt über eine Notarin oder einen Notar öffentlich beglaubigt erklären zu lassen.
Für viele Betroffene ist die lange Wartezeit nicht nur organisatorisch problematisch, sondern auch finanziell relevant: Bis zum formalen Vollzug des Austritts fällt weiterhin Kirchensteuer an. Diese beträgt je nach Bundesland 8 oder 9 Prozent der Einkommensteuer. Bei einem durchschnittlichen Arbeitnehmer können so mehrere hundert Euro pro Jahr anfallen – bei höheren Einkommen entsprechend mehr.
Die aktuell hohe Zahl an Kirchenaustritten ist kein Einzelfall, sondern Teil eines bundesweiten Trends. Neben finanziellen Gründen nennen viele Austrittswillige zunehmend inhaltliche und politische Motive. Dazu zählen unter anderem die als „zu woke“ empfundene Ausrichtung der Kirchen, die Ausgrenzung bestimmter politischer Parteien und deren Mitglieder von kirchlichen Ämtern und Organisationen, sowie eine zunehmende Einmischung in politische Entscheidungsprozesse. Kritiker empfinden dies als Abkehr vom kirchlichen Neutralitätsanspruch.
