Uns haben mehrere Leserbriefe zum Thema Windkraftanlagen in Liesborn erreicht. Diese geben wir hier wörtlich wieder:

Tobias Schwichtenhövel  schrieb uns:

Öffentliche Wadersloher Ratssitzung – für viele eine große Enttäuschung.

„Ich habe extra meinen Feierabend vorgezogen, um an der öffentlichen Sitzung teilzunehmen und meine Bedenken zur geplanten Flächenänderung und Errichtung von Windkraftanlagen im Überschwemmungsschutzgebiet vorzubringen. Doch der Andrang war so groß, dass ich – wie viele andere auch – draußen bleiben musste. Vor der Tür war akustisch nichts zu verstehen, eine Beteiligung oder das Einbringen von Fragen somit unmöglich.

Gerade als Liesborner sehe ich die Situation besonders kritisch: Wir liegen deutlich tiefer als Wadersloh. Schon jetzt sind bei Hochwasser die Häuser und der Sportplatz entlang der Liese betroffen. Was passiert, wenn die Flächen im Überschwemmungsschutzgebiet zusätzlich verdichtet werden? Die Fundamente sind dabei oft bis zu 15 Meter tief. Steigt das Risiko weiter an? Müssen wir künftig damit rechnen, dass das Wasser noch weiter ins Dorf vordringt?

Auch ein Blick ins veröffentlichte Protokoll wirft Fragen auf: Viele Fragen und Einwände wurden offenbar nicht konkret beantwortet, stattdessen wurde häufig auf Gutachten verwiesen, die zu einem späteren Zeitpunkt gemacht werden sollen.  Dabei stellt sich mir die Frage: Der Betreiber baut doch nicht erst seit gestern Windkraftanlagen – warum können grundlegende Fragen nicht klar beantwortet werden?

Ebenso unverständlich ist für mich, warum der Bürgermeister dieses Projekt so stark vorantreibt und dazu eine lange Ansprache hält. Hier entsteht zumindest der Eindruck, dass politische Ziele über die Sorgen der Bürger gestellt werden.

Positiv hervorheben möchte ich jedoch, dass es eine knappe Abstimmung war und sich 14 Ratsmitglieder klar für die Interessen der Bürger eingesetzt und die Flächenänderung abgelehnt haben.

Für Liesborn und den Sportplatz bleibt zu hoffen, dass die Anlagen nicht gebaut werden. Statt immer neue Windräder zu planen, sollten aus meiner Sicht stärker in Speicherlösungen investiert werden, um die vorhandenen Anlagen effizienter und nachhaltiger zu nutzen und unsere schöne Landschaft zu erhalten. Viele Grüße Tobias Schwichtenhövel 

So ähnlich wird es dann irgendwann eingeweiht, allerdings dann gleich drei am Stück. (Archivbild aus Liesborn)

Ein wertvolles Stück Heimat darf nicht geopfert und zerstört werden

Petra Konert schrieb uns:

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte verantwortliche in Politik und Verwaltung,

ich schreibe diesen Leserbrief nicht aus grundsätzlicher Ablehnung gegenüber erneuerbaren Energien. Ich schreibe ihn, weil ich fassungslos bin, wie ein wertvolles Stück unserer Heimat still und leise aufs Spiel gesetzt werden soll.

Zumal der Regionalplan dieses Gebiet, nicht als Windvorranggebiet ausweist.

Das ausgewiesene Hochwasser- und Überschwemmungsgebiet vor unserer Haustür hat nicht ohne Grund diesen besonderen Status. Es ist kein „leerstehendes“ Areal, dass man beliebig verschieben oder neu deuten kann.
Es ist ein lebendiger, empfindlicher Naturraum. Ein Ort, an dem ein Biber kaum 300 Meter von meinem Zuhause seinen Bau errichtet hat. Ein Ort, an dem jedes Jahr hunderte Wildvögel rasten und brüten – Störche, Kraniche, Reiher, Kiebitze, Falken, um nur einige aufzuzählen. Wenn die Sonne untergeht, begeben sich Fledermäuse und Eulen auf Ihre nächtliche Jagd.

All diese Tiere sollen einem Industriegebiet für Windkraftanlagen weichen.

Es macht mich traurig – und auch wütend –, dass ausgerechnet dort, wo die Natur noch atmet, Windkraftanlagen entstehen sollen – die dreimal höher als unsere Wadersloher Kirche sind. So dicht geplant, dass man sich fragt, ob die Menschen, die hier leben, überhaupt gesehen oder gehört werden.

Wir in Wadersloh haben unseren Beitrag zur Energiewende längst erfüllt: Neun bestehende Windkraftanlagen und fünf weitere in Planung. Trotzdem sollen noch mehr Anlagen gebaut werden.

Statt immer neue Flächen zu erschließen, sollten wir bestehende Anlagen effizienter nutzen. Ohne ausreichende Stromspeicher werden Windräder regelmäßig abgeschaltet, wenn das Netz die Einspeisung nicht mehr zulässt. Hier liegt Optimierungspotenzial – nicht in der Überplanung ökologisch sensibler Gebiete.

Wir Bürgerinnen und Bürger fragen uns:


Wem dient diese Planung wirklich?
Der Energiewende – oder der Gewinnmaximierung von Investoren, die nicht einmal aus der Region kommen?

Ich frage Sie:
Wie viel von unserer landwirtschaftlich geprägten Heimat dürfen wir verlieren, bevor jemand sagt: Es reicht!
Wie viele Tierarten müssen weichen, bevor wir begreifen, dass Profitgier kein Ersatz für verlorene Natur ist?

Die Bauernschaft Bornefeld, ist ein schützenswerter Raum – nicht nur für Tiere, sondern auch für uns Menschen, die hier aufgewachsen sind, die hier leben, die sich hier zu Hause fühlen. Wir haben die Verantwortung, dieses Stück Erde nicht gedankenlos preiszugeben.

Ich appelliere eindringlich an alle Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger:
Schauen Sie hin. Hören Sie den Menschen zu. Sehen Sie die Tiere, die hier keine Stimme haben. Treffen Sie eine Entscheidung, die unserer Heimat gerecht wird – nicht den Interessen von Investoren.

Mit besorgten, aber hoffnungsvollen Grüßen
Petra Konert

Matthias Bürger schrieb uns:

Geplanter Windpark am Herzebrockweg


Mit großer Sorge verfolge ich die Planungen zum Windpark am
Herzebrockweg. Immer deutlicher entsteht der Eindruck, dass hier
wirtschaftliche Interessen über die Lebensqualität der unmittelbar
betroffenen Bürgerinnen und Bürger gestellt werden. Profit scheint das
alles bestimmende Argument zu sein: Die Gemeinde profitiert, der Investor
profitiert, und auch die Eigentümer angrenzender Ackerflächen profitieren.
Die Rechnung jedoch wird von den Anwohnern bezahlt, die in minimal
zulässiger Entfernung künftig von drei weiteren, jeweils 261 Meter hohen
Windindustrieanlagen regelrecht umzingelt sein werden.
Dabei geht es nicht um eine grundsätzliche Ablehnung erneuerbarer
Energien. Vielmehr stellt sich die Frage nach Maß, Standortwahl und
Rücksichtnahme. Für die Menschen vor Ort bedeuten solche Anlagen nicht
nur eine optische Veränderung des Landschaftsbildes, sondern potenziell
auch dauerhafte Belastungen durch Lärm, Infraschall und Schattenschlag.
Hinzu kommt die schlichte erdrückende Wirkung dieser gigantischen
Bauwerke, die das gewohnte Umfeld massiv verändern. Ob und wie stark
die Betroffenen darunter leiden könnten, scheint im bisherigen Verfahren
jedoch nur eine untergeordnete Rolle zu spielen.
Seitens der Verwaltung wird auf das gewünschte Bauleitplanverfahren
verwiesen. Dort könne schließlich jeder seine Bedenken ausführlich
vorbringen. Doch mit welchem Ergebnis? Keine der zahlreichen
Einwendungen von betroffenen Bürgern in den laufenden Verfahren
Eichelgarten und Göttingen Süd ist berücksichtigt worden. Sie wurden alle
verworfen. Bürgerbeteiligung darf kein formaler Akt sein, dessen Resultat
von vornherein feststeht. Wenn Entscheidungen dieser Tragweite getroffen
werden, sollten Lebensqualität und der Erhalt des Landschaftsbildes
mindestens ebenso viel Gewicht haben wie finanzielle Interessen.


Matthias Bürger, Wadersloh

Von Norbert

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